Filchner-Archiv

Die Deutsche Geodätische Kommission betreut das an der Bayerischen Akademie der Wissenschaften eingerichtete "Wilhelm-Filchner-Archiv".

Das Archiv umfasst eine Anzahl von Gegenständen aus dem Besitz von Filchner, Literatur von und über Filcher (u.a. die Tagebücher), zahlreiche Original-Photographien sowie zwei Filme:

- den von Filchner gedrehten Film “Mönche, Tänzer und Soldaten” (Anmerkungen dazu siehe unten),

- den Film “Leidenschaft Tibet. Auf den Spuren des Forschers Wilhelm Filchners” von der Regisseurin Jutta Neupert (Anmerkungen dazu siehe unten).

Beide Filme können auf Antrag ausgeliehen werden.

Das Archiv ist für Forschungszwecke nach vorheriger Absprache zugänglich.

Kontakt: e-mail: hornik@dgfi.badw.de, Tel. +49 - (0)89 - 23 031 -1113

 

 

 

 

 

Kurzbiographie von Wilhelm Filchner

Wilhelm Filchner; * 13.9.1877 München, † 7.5.1957 Zürich; Forschungsreisender, Geodät

Seine Kindheit und Jugend verbrachte Filchner in München. Hier erhielt er künstlerische Impulse, besonders durch Lenbach, Stuck, Böcklin, Siegfr. Wagner u. a.

Seine Erzieher entschieden sich aber für den Offiziersberuf. 1900 machte er als Fähnrich in einem Urlaub seinen Ritt über den Pamir (Buch Ein Ritt über den Pamir, 1903), wodurch er Gönner und Förderer für seine weiteren Pläne fand. Zur Fundierung seiner Forschungsreisen studierte er in München Vermessungskunde und Geographie, gefolgt von praktischer Ausbildung an verschiedenen militärischen und zivilen Institutionen.

Seine Reisen (Nord-Ost-Tibet und China 1903-05; Vorexpedition nach Spitzbergen 1910; Südpolexpedition 1911-12) schilderte er in zahlreichen populärwissenschaftlichen Büchern, die schaftliche Ausbeute wurde in mehreren Werken und Arbeiten veröffentlicht. Bei der zuletzt erwähnten Reise entdeckte er das Prinz Luitpold-Land und die Filchner-Barriere. Erwähnung verdient Filchners letztes Werk Route-Mapping and Position Locating in Unexplored Regions (1957), mit dessen Ausarbeitung er schon etwa 1906 begonnen hatte.

Die Teilnahme an einer geplanten Arktis-Expedition unter Amundsen scheiterte durch den Ausbruch des 1. Weltkrieges, an dem Filchner als Offizier teilnahm. Es folgten die Reise nach China und Tibet 1926/28 und die Reise nach Tibet 1935-37.

Die letzte Expedition führte Filchner 1939 nach Nepal. Durch den Ausbruch des 2. Weltkrieges wurde Filchner in Indien interniert, wo er, wenig behindert, frei arbeiten konnte. 1949 kehrte er nach Europa zurück. Er fand in Zürich eine neue Heimat, wo er seine Autobiographie Ein Forscherleben (1950 und 1956) verfaßte. In Zürich lernte er auch Fritz Baeschlin kennen, Professor für Geodäsie an der ETH. Über dessen Verbindungen nach München kam der wissenschaftliche Nachlaß Filchners an die Bayerische Akademie der Wissenschaften. Filchners Leistungen haben im In- und Ausland Anerkennung gefunden und ihm zahlreiche Ehrungen erbracht.

Literatur: Neue Deutsche Biographie (NDB)” Bd. 5, S. 145 f.

Helmut Hornik,

Deutsche Geodätische Kommission

Werke (Auswahl)

- Ein Ritt über den Pamir

- Das Kloster Kumbum, 1906

- Zum sechsten Erdteil. Die zweite deutsche Südpolar-Expedition., 1922

- Tschung-Kue - Das Reich der Mitte - Alt-China vor dem Zusammenbruch, 1924

- Sturm über Asien, 1924

- Quer durch Ost-Tibet., 1926

- Wetterleuchten im Osten. Erlebnisse eines diplomatischen Geheimagenten., 1927

- Om mani padme hum, 1928? (erschienen in 27 Auflagen, über die Tibetexpedition 1926/28)

- Kumbum Dschamba Ling. Das Kloster der hunderttausend Maitreyas. Ein Ausschnitt aus Leben und Lehre des heutigen Lamaismus., 1933

- Bismillah! - Vom Huang-ho zum Indus, 1942

- In der Fieberhölle Nepals

- Ein Forscherleben., 1953

 

Anmerkungen zum Film "Mönche, Tänzer und Soldaten" von Wilhelm Filchner

Auf seiner Asienexpedition von 1925 – 1928, einer in Zentralasien unsicheren, von Umstürzen, Aufständen und lokalen Revolutionen gekennzeichneten Zeit, drehte Wilhelm Filchner mit der Handkurbel rund 17.000 m Film. Nur knapp 2.500 m des wertvollen Materials fanden für den im Jahre 1956 erarbeiteten Kulturfilm, der für das Kino bestimmt war, Verwendung. W. Filchner erläutert seinen Film, in Auszügen aus einer Wochenschau und einem Vortrag selbst.

Der Film ist ein einzigartiges Dokument bewegter Bilder aus der Zeit vor nunmehr 70 Jahren. Seither sind die von W. Filchner bereisten Regionen Zentralasiens und ihre Bewohner, in denen sich viele Völker, Sprachen, Kulturen und Religionen mischen, nicht nur politisch sondern auch technisch-wirtschaftlich grundlegenden Veränderungen unterworfen worden. Die Grenzen haben sich verändert und dort, wo in Filchner‘s Film Nomaden ihre Herden weiden, finden sich heute ein Weltraumbahnhof oder ein Atomversuchsgelände.

Der Film folgt dem Verlauf der Reise von Ili (ehem. russ. Gouvernement Turkestan) über Urumtschi (Sinkiang, unter chin. Regierung) nach Lan-chou (Kansu, China) und zum Kloster Kumbum ( Provinz Amdo, Tibet).

Hervorzuheben, da historisch besonders wertvoll, sind die Abschnitte des Films aus dem tibetischen Kloster Kumbum. Dieses Kloster im äussersten Nordosten Tibets, das einst rund 7.000 Mönche beherbergte, ist in der Kulturrevolution zu mehr als 90 Prozent zerstört worden. Nur wenige der alten Gebäude sind noch erhalten und eine kleine, amtlich zugelassene Mönchsgemeinde kämpft um das Überleben unter einem religionsfeindlichen Regime.

Der Film erlaubt einen unwiederbringlichen Einblick in das Leben in diesem berühmten Kloster vor 70 Jahren, das in rascher Folge mit einer Vielzahl von kinowirksam, aber nicht immer richtig aneinandergereihten und kommentierten Ausschnitten aus unterschiedlichen Gebeten, Zeremonien, Maskentänzen, Studiengängen und alltäglichen Verrichtungen, vorgestellt wird.

Zum Schluss folgen Aufnahmen (aus dem Jahr 1939), die zum Teil von dem Schweizer Toni Hagen stammen. Sie veranschaulichen die Anreise nach Nepal, zeigen Sehenswürdigkeiten und Heiligtümer im Tal von Kathmandu und enden mit einer grossen Militärparade.

Dr. Helga Uebach

Kommission für zentralasiatische Studien

Anmerkungen zum Film “Leidenschaft Tibet. Auf den Spuren des Forschers Wilhelm Filchners” von Jutta Neupert.

Sein Ritt über den Pamir 1903 war ein Triumph, 1911 leitete er die deutsche Antarktisexpedition: der Bayreuther Geograf Wilhelm Filchner (1877-1957) war ein vom Reise- und Forschungsdrang Besessener. Dreimal reiste Filchner nach Tibet. 1924 filmte er die Gegend um den Qinghai See und das Kloster Kumbum, eine der wichtigsten tibetischen Kultstätten. Außerdem führte er die ersten erdmagnetischen Messungen in Tibet durch.

Am Donnerstag, 13. Juni 2002, um 19.30 Uhr, strahlt das Bayerische Fernsehen als Erstsendung die Dokumentation „Leidenschaft Tibet. Auf den Spuren des Forschers Wilhelm Filchners” aus.

Das BR-Filmteam um die Regisseurin Jutta Neupert hat sich auf Spurensuche an die Orte begeben, die Filchner vor fast 80 Jahren besucht hat - herausgekommen sind einzigartige Innenansichten aus „Chinas wildem Westen“, der Provinz Qinghai: ein taoistisches Kloster mit einer geheimnisvollen Aufschrift in deutscher Sprache, tibetische Mönche, die sich auf einem über 500 Kilometer langen Pilgerweg befinden, Nomaden am Qinghai See, die Tristesse am Salzsee Chaka Nor, das Freitagsgebet von 20 000 Muslimen, das Miteinander von einem Dutzend Ethnien in einem Marktflecken in der Wüste, der Klosteralltag in Kumbum. Gleichzeitig ist die Dokumentation das Porträt eines Forschers, der heute in Deutschland fast vergessen ist, dessen Name aber im Kaiserreich in einem Atemzug mit Sven Hedin genannt wurde. Zu sehen sind auch die legendären Filmaufnahmen Filchners und andere bisher kaum bekannte Schätze aus seinem Vermächtnis, das von der Deutschen Geodätischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften aufbewahrt wird und die dem Bayerischen Fernsehen großzügig zur Verfügung gestellt wurden.